Münze: 1-Dicken-Stück der Stadt Schaffhausen, geprägt in Schaffhausen, vermutlich aus der numismatischen Sammlung der Familie Bachmann, Besitzerin von Schloss Frauenfeld, als Anhänger wiederverwendet

zurück

Mit der Maus über das Bild fahren, um es zu vergrössern · Auf das Bild klicken für die Vollbildansicht · mit den Pfeiltasten oder Pfeilen navigieren

Vs.: In äusserem Perl- und innerem Strichelkreis Umschrift: «MO[NETA] : NO[VA] : SCAFVSENSIS : 1617». Im Mittelfeld Schaffhauser Wappen mit einem aus dem Stadttor springenden Widder nach links, über einem Dreiberg.
Rs.: In äusserem Perl- und innerem Strichelkreis Umschrift: «(Rosette) DEVS : SPES NOSTRA EST» (Gott ist unsere Hoffnung). Im Mittelfeld Doppeladler (Adler mit zwei Köpfen), Wappen des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, Sinnbild der königlichen, von den Kurfürsten verliehenen und der kirchlichen, vom Papst verliehenen Würde.
Angelötete Öse als Vorrichtung zum Tragen der Münze an einer Kette.
Das Münzbild zeigt einen Widder (Schafbock, heraldisch für ein Schaf mit Hörnern), der auf den Namen der Siedlung Schaffhausen anspielt. In der Heraldik bezeichnet man solche Wappendarstellungen als redende Wappen. Diese deuten volksetymologisch (Anlehnung an ein ähnlich klingendes Wort) auf den Namen des Wappenträgers hin. Der Ursprung des Namens Schaffhausen lässt sich nicht eindeutig festlegen. Er spielt auf das Wort «Scafhusun» an, das schon früh mit dem althochdeutschen «Scaf» für Schaf gleichgesetzt wurde.
Mit der Emanzipation der Stadt Schaffhausen von der Abtei Allerheiligen als ehemalige Stadtherrin im Laufe des Spätmittelalters übernimmt die Stadt auch das Münzrecht.

Der nimbierte Doppeladler verweist auf die Zugehörigkeit der Reichsstadt Schaffhausen zum Heiligen Römischen Reich.
Der Doppeladler, das Wappentier des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, kam im 15. Jh. als Bildteil des Reichswappen auf. Reichsstädte prägten das Motiv auf ihren Münzen, um ihre Zugehörigkeit zum Reich darzustellen. Schaffhausen gehörte zu diesen privilegierten Städten, die unmittelbar dem Kaiser unterstanden und das Recht besassen, Gericht zu halten, Märkte abzuhalten, Zölle zu erheben und Münzen zu prägen.

Schaffhausen weist eine rege Münztätigkeit in der Frühen Neuzeit auf. Beigetragen haben dazu die weitreichenden Handelsbeziehungen, Repräsentationsbedürfnisse der freien Reichsstadt und Münzunternehmer wie Hans Jakob Wegerich von Bernau (1596–1605), denen erlaubt wurde, neben den durch den Rat verlangten Münzen, auch Schaffhauser Münzen auf eigene Rechnung zu prägen. Als die Produktion von Groschen nicht mehr lukrativ war, begann die Massenprägung von Dicken (6-Batzen- oder 24-Kreuzer-Stücken). In Fässern verpackt, gelangten die Münzen rheinabwärts nach Frankfurt am Main und an andere Orte. Die Schaffhauser Münzproduktion verfügte nicht nur über eine leistungsstarke Münzstätte, sondern auch über ein weitgespanntes Agentennetz in Deutschland und Österreich mit den entsprechenden Absatzkanälen. Die Darstellung des Reichsadlers auf der Rückseite erhöhte zusätzlich die Akzeptanz der Münze in den unterschiedlichen Territorien des Reichs. Vom Geschäft profitierten in erster Linie die Münzmeister.
1636 stellte Schaffhausen seine Münztätigkeit für einige Jahre ein, da sich mehrere eidgenössische Orte über die Schaffhauser Münzproduktion beklagten, weil es sich aufgrund des geringen Silbergehalts um minderwertige Münzen handelte.

Marie Elise Bachmann (1879–1955) vermachte 1948 mittels Erbvertrag dem Kanton Thurgau Schloss Frauenfeld samt Hausrat sowie auch die umfangreiche Antiquitätensammlung ihrer Eltern. Ihr Vater Jakob Huldreich Bachmann (1843–1915), Politiker und Jurist, der 1896 Bundesrichter wurde, sammelte unter anderem Glasscheiben, Gemälde, Waffen und Möbel. Ein Sammlungsschwerpunkt waren auch Münzen, von denen er jedoch 1917 einen Teil verkaufte. Nach dem Tod von Marie Elise Bachmann (1955) übernahm der Kanton die Sammlung, die aus mehr als 90 numismatischen Objekten bestand. Das Schloss Frauenfeld wurde später zum Historischen Museum Thurgau umgestaltet.
1617
D. 32.6 mm
Silber, Prägung, angelötete Öse für die sekundäre Verwendung als Anhänger
T 36295
Gustave Schöttle, Das Münzwesen von Schaffhausen seit dem Ende des 17. Jahrhunderts, in: Schweizerische Numismatische Rundschau, Bd. 20, 1915, S. 361–365.

Jean-Paul Divo, Edwin Tobler, Die Münzen der Schweiz im 17. Jahrhundert, Zürich 1987, Nr. 1375.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Heraldik, Tier, Architektur, Hauswirtschaft, Persönliche Accessoires, Schmuck

Ähnliche Objekte 12