Münze: 1-Dicken-Stück der Stadt Schaffhausen, geprägt in Schaffhausen, vielleicht aus dem Fund von Wagerswil (Wigoltingen)

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Vs.: In innerem und äusserem Perlkreis Umschrift: «: MO[NETA] . NO[VA] . SCAFVSENSIS 1611». Im Mittelfeld Schaffhauser Wappen mit einem aus dem Stadttor springenden Widder nach links, über einem Dreiberg.
Rs.: In innerem und äusserem Perlkreis Umschrift: «+ DEVS + SPES + NOSTRA EST». (Gott ist unsere Hoffnung). Im Mittelfeld Doppeladler (Adler mit zwei Köpfen), Wappen des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, Sinnbild der königlichen, von den Kurfürsten verliehenen und der kirchlichen, vom Papst verliehenen Würde.
Das Münzbild zeigt einen Widder (Schafbock, heraldisch für ein Schaf mit Hörnern), der auf den Namen der Siedlung Schaffhausen anspielt. In der Heraldik bezeichnet man solche Wappendarstellungen als redende Wappen. Diese deuten volksetymologisch (Anlehnung an ein ähnlich klingendes Wort) auf den Namen des Wappenträgers hin. Der Ursprung des Namens Schaffhausen lässt sich nicht eindeutig festlegen. Er spielt auf das Wort «Scafhusun» an, das schon früh mit dem althochdeutschen «Scaf» für Schaf gleichgesetzt wurde.
Mit der Emanzipation der Stadt Schaffhausen von der Abtei Allerheiligen als ehemalige Stadtherrin im Laufe des Spätmittelalters übernimmt die Stadt auch das Münzrecht.

Der nimbierte Doppeladler verweist auf die Zugehörigkeit der Reichsstadt Schaffhausen zum Heiligen Römischen Reich.
Der Doppeladler, das Wappentier des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, kam im 15. Jh. als Bildteil des Reichswappen auf. Reichsstädte prägten das Motiv auf ihren Münzen, um ihre Zugehörigkeit zum Reich darzustellen. Schaffhausen gehörte zu diesen privilegierten Städten, die unmittelbar dem Kaiser unterstanden und das Recht besassen, Gericht zu halten, Märkte abzuhalten, Zölle zu erheben und Münzen zu prägen.

Schaffhausen weist eine rege Münztätigkeit in der Frühen Neuzeit auf. Beigetragen haben dazu die weitreichenden Handelsbeziehungen, Repräsentationsbedürfnisse der freien Reichsstadt und Münzunternehmer wie Hans Jakob Wegerich von Bernau (1596–1605), denen erlaubt wurde, neben den durch den Rat verlangten Münzen, auch Schaffhauser Münzen auf eigene Rechnung zu prägen. Als die Produktion von Groschen nicht mehr lukrativ war, begann die Massenprägung von Dicken (6-Batzen- oder 24-Kreuzer-Stücken). In Fässern verpackt, gelangten die Münzen rheinabwärts nach Frankfurt am Main und an andere Orte. Die Schaffhauser Münzproduktion verfügte nicht nur über eine leistungsstarke Münzstätte, sondern auch über ein weitgespanntes Agentennetz in Deutschland und Österreich mit den entsprechenden Absatzkanälen. Die Darstellung des Reichsadlers auf der Rückseite erhöhte zusätzlich die Akzeptanz der Münze in den unterschiedlichen Territorien des Reichs. Vom Geschäft profitierten in erster Linie die Münzmeister.
1636 stellte Schaffhausen seine Münztätigkeit für einige Jahre ein, da sich mehrere eidgenössische Orte über die Schaffhauser Münzproduktion beklagten, weil es sich aufgrund des geringen Silbergehalts um minderwertige Münzen handelte.

Gemäss der Darstellung von Gustav Büeler in den Thurgauischen Beiträgen zur Geschichte wurde die Münze in Wagerswil vermutlich von einem Schreiner gefunden, der sie zusammen mit elf weiteren Münzen eingelassen im Holz einer alten Truhe entdeckte.
Büeler war von 1879 bis 1921 Lehrer an der Thurgauischen Kantonsschule in Frauenfeld, die er zwölf Jahre als Rektor leitete. Als Vorsitzender des Historischen Vereins des Kantons Thurgau und Präsident der Thurgauischen Museumsgesellschaft war er Mitinitiator des 1924 eröffneten Thurgauischen Museums in Frauenfeld, aus dem das Historische Museum Thurgau hervorging.
1611
D. 30.5 mm
Silber, Prägung
T 36296
Gustav Büeler, Ausgrabungen und Funde im Kanton Thurgau (Thurgauische Beiträge zur Geschichte, Bd. 53, 1913), S. 103–109, bes. S. 109.

Gustave Schöttle, Das Münzwesen von Schaffhausen seit dem Ende des 17. Jahrhunderts, in: Schweizerische Numismatische Rundschau, Bd. 20, 1915, S. 361–365.

Ernst Leisi, Dr. h. c. Gustav Büeler (Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Bd. 77), 1941, S. 71–78.

Jean-Paul Divo, Edwin Tobler, Die Münzen der Schweiz im 17. Jahrhundert, Zürich 1987, Nr. 1375.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Heraldik, Tier, Architektur

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