Münze: 1-Groschen-Stück der Stadt Schaffhausen, geprägt in Schaffhausen, aus der Sammlung von Maria Walenta (1876–1961)

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Vs.: Zwischen Strichel- und Linienkreis Umschrift: «. MO[NETA] . NO[VA] . SCAFVSENSIS . 96». Im Mittelfeld Schaffhauser Wappen mit einem aus dem Stadttor springenden Widder nach links, über einem Dreiberg.
Rs.: Zwischen Strichel- und Linienkreis Umschrift: «DEVS – SPES – NOST – RA ES» (Gott ist unsere Hoffnung). Im Mittelfeld Doppeladler (Adler mit zwei Köpfen), Wappen des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, Sinnbild der königlichen, von den Kurfürsten verliehenen und der kirchlichen, vom Papst verliehenen Würde, auf der Adlerbrust Schildchen mit Wertangabe.
Das Münzbild zeigt einen Widder (Schafbock, heraldisch für ein Schaf mit Hörnern), der auf den Namen der Siedlung Schaffhausen anspielt. In der Heraldik bezeichnet man solche Wappendarstellungen als redende Wappen. Diese deuten volksetymologisch (Anlehnung an ein ähnlich klingendes Wort) auf den Namen des Wappenträgers hin. Der Ursprung des Namens Schaffhausen lässt sich nicht eindeutig festlegen. Er spielt auf das Wort «Scafhusun» an, das schon früh mit dem althochdeutschen «Scaf» für Schaf gleichgesetzt wurde.
Mit der Emanzipation der Stadt Schaffhausen von der Abtei Allerheiligen als ehemalige Stadtherrin im Laufe des Spätmittelalters übernimmt die Stadt auch das Münzrecht.

Der nimbierte Doppeladler verweist auf die Zugehörigkeit der Reichsstadt Schaffhausen zum Heiligen Römischen Reich.
Der Doppeladler, das Wappentier des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, kam im 15. Jh. als Bildteil des Reichswappen auf. Reichsstädte prägten das Motiv auf ihren Münzen, um ihre Zugehörigkeit zum Reich darzustellen. Schaffhausen gehörte zu diesen privilegierten Städten, die unmittelbar dem Kaiser unterstanden und das Recht besassen, Gericht zu halten, Märkte abzuhalten, Zölle zu erheben und Münzen zu prägen.

Schaffhausen weist eine rege Münztätigkeit in der Frühen Neuzeit auf. Beigetragen haben dazu die weitreichenden Handelsbeziehungen, Repräsentationsbedürfnisse der freien Reichsstadt und Münzunternehmer wie Hans Jakob Wegerich von Bernau (1596–1605), denen erlaubt wurde, neben den durch den Rat verlangten Münzen, auch Schaffhauser Münzen auf eigene Rechnung zu prägen. Zu diesen Münzemissionen Wegerichs gehört auch die vorliegende Münze. In grossen Mengen geprägt, wurden die Groschen (3-Kreuzer-Stücke) vor allem ins Reich exportiert, z.B. zu den Frankfurter Messen, wo sie als Wechselgeld Verwendung fanden. In Fässern verpackt, gelangten sie rheinabwärts nach Frankfurt am Main und an andere Orte. Wegerich verfügte in Schaffhausen nicht nur über eine leistungsstarke Münzstätte, sondern auch über ein weitgespanntes Agentennetz in Deutschland und Österreich mit den entsprechenden Absatzkanäle. Die Darstellung des Reichsadlers auf der Rückseite erhöhte zusätzlich die Akzeptanz der Münze in den unterschiedlichen Territorien des Reichs.

Maria Walenta (1876–1961) wurde im tschechischen Graslitz geboren und kam um 1903 zu ihrem Bruder Rudolf (1875–1933) nach Frauenfeld, der hier bereits seit 1893 bei der Instrumentenbauerin Marie Wolf arbeitete. Maria Walenta führte wohl den Haushalt Wolf, in welchem auch ihr Bruder lebte. Marie Wolf vermachte 1934 per Testament ihr Haus an der Thundorfstrasse Maria Walenta zur Nutzniessung bis zu ihrem Tod. Nach dem Willen der Testatorin sollte dieses Objekt nach dem Tod der Begünstigten an die Bürgergemeinde Frauenfeld übergehen, wobei der Erlös aus dem späteren Verkauf der Liegenschaft für einen Musikpavillon sowie für einen Springbrunnen im Stadtpark Burstel bestimmt war. Das Legat wurde als «Fräulein Marie Wolf und Herrn Rudolf Walenta-Fonds» bezeichnet.
Maria Walenta vermachte ihrerseits dem Historischen Museum Thurgau eine reichhaltige Münz- und Papiergeldsammlung (vor allem Notgeld um 1920, Banknoten, Gutscheine und Marken aus Papier) sowie einige Antiquitäten. Wer die Münzen erworben hat – Maria Walenta, ihr Bruder oder die Familie Wolf –, bleibt unklar.
1596
D. 20.3 mm
Silber, Prägung
T 36287
Gustave Schöttle, Das Münzwesen von Schaffhausen seit dem Ende des 17. Jahrhunderts, in: Schweizerische Numismatische Rundschau, Bd. 20, 1915, S. 361–365.

Ruedi Kunzmann, Der neue HMZ-Katalog, Bd. 2: Die Münzen der Schweiz und Liechtensteins, 15./16. Jahrhundert bis Gegenwart, Regenstauf 2011, Nr. 2-777.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Heraldik, Tier, Architektur

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