Münze: 1-Taler-Stück der Abtei St. Gallen, geprägt in St. Gallen zur Zeit von Abt Bernhard Müller von Ochsenhausen (1594–1630), aus der ehemaligen Sammlung von Josef Sager (1905–1964)

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Vs.: In Gerstenkornkreis Umschrift: «MONETA (Rosette) NO (Rosette) MONA – STERII (Rhomus) S (Rhombus) GALLI (Rhombus) 1622» (Moneta Nova Monasterii Sancti Galli) (Neue Münze des Klosters St. Gallen). In Schnurkreis bekrönter nimbierter Doppeladler (Adler mit zwei Köpfen). Darunter in Halbrundschild Wappen des Fürstabts: Im Uhrzeigersinn zeigt das viergeteilte Wappen den aufrecht stehenden Bären nach rechts, mit einem Holzstück auf der Schulter (Kloster St. Gallen), das Lamm Gottes mit Siegesfahne (Kloster St. Johann im Thurtal; unterstand der Fürstabtei), die Dogge nach links (Grafschaft Toggenburg; Herrschaftsgebiet der Fürstabtei) und das Familienwappen von Bernhard Müller mit Mühlrad. Darüber Mitra mit Infuln (Kopfbedeckung der Bischöfe sowie von bestimmten Äbten mit Rechts- und Verwaltungshoheit) und gekreuzte Krummstäbe (Insignie und Symbol des Abts als Hirte der Gläubigen).
Rs.: In Gerstenkornkreis Umschrift: «(Rosette) GLORIA (Rosette) ET (Rosette) HONOR (Rosette) ET (Rosette) PAX (Rosette) OMNI (Rosette) OPERANTI (Rosette) BONVM» (Ruhm, Ehre und Frieden für jeden, das Gute bewirkenden [Menschen]) (Teil des Bibelspruchs Römer 2, 10). In Schnurkreis hl. Gallus mit Brot und Wanderstab, links der Bär.
Der Wandermönch Gallus soll die Einsiedelei gegründet haben, aus der die Benediktinerabtei St. Gallen (719–1805) hervorgegangen ist. Er ist der Schutzpatron der Stadt und des Klosters St. Gallen. Nach seinem Tod wurde er bald als Heiliger verehrt. Es liegen abweichende Sterbedaten von Gallus vor. Gemäss einer Überlieferung soll er am 16. Oktober 640 in Arbon gestorben sein, weshalb er von der katholischen Kirche an diesem Tag gefeiert wird.

Anfang des 15. Jhs. erlangte St. Gallen dank der königlichen Privilegien von 1401, 1415 und 1417 den Status einer Reichsstadt, aufgrund derer die Stadt die hohe Gerichtsbarkeit ausüben, die Reichssteuern selber verwalten und Münzen prägen durfte.
Der Doppeladler, das Wappen des Heiligen Römischen Reichs, kam im 15. Jh. auf. Reichsstädte wie St. Gallen prägten das Motiv auf ihren Münzen, um ihre Zugehörigkeit zum Reich darzustellen.

Das Wappen der Stadt St. Gallen und dasjenige der ehemaligen Fürstabtei St. Gallen zeigen einen aufrecht schreitenden Bären. Das erste Siegel der Abtei St. Gallen mit der Darstellung eines Bären stammt aus dem Jahr 1334. Die Wahl dieser Wappenfigur geht wahrscheinlich auf die Galluslegende zurück, nach welcher der hl. Gallus im Jahr 612 beschloss, sich im Arboner Forst zurückzuziehen, um in der Wildnis eine Einsiedelei zu gründen. Noch in der ersten Nacht erschien ein Bär, welcher der Aufforderung des Eremiten nachkam, Brennholz zu sammeln und danach das Tal zu verlassen, ohne den Einsiedler anzugreifen. Aus der Einsiedelei entstand 719 das Kloster St. Gallen, aus dem sich die Stadt St. Gallen entwickelte. Seit dem ausgehenden Mittelalter stets auf goldenem (gelben) Grund dargestellt, trägt der Bär in den Wappendarstellungen der Fürstabtei St. Gallen zuweilen bereits im Spätmittelalter ein Stück Holz auf einer Schulter. In der Neuzeit nahm die Wappendarstellung mit dem ein Holz tragenden Bären zu, auch wenn beide Darstellungen – mit oder ohne Holz – bis zum Ende der Fürstabtei 1798, belegt sind. Im Gegensatz dazu zeigt das Wappen der Stadt St. Gallen den aufrecht schreitenden Gallus-Bär stets ohne Holz auf silbernem (weissem) Grund. Zusätzlich trägt der Bär ab 1475 ein goldenes Halsband, dies aufgrund eines kaiserlichen Wappenprivilegs für die durch die Stadt St. Gallen geleistete militärische Hilfe gegen Karl den Kühnen von Burgund.

Die Münze gehörte zur Sammlung von Josef Sager (1905–1964), einem Lehrer und Autodidakten aus Münchwilen. Seit den 1930er-Jahren galt Sager in der Ostschweiz als Fachmann für Numismatik. Selbst Münzsammler erwarb er mehrere Hortfunde auf dem Gebiet der Ostschweiz und bot sich zudem als Gutachter für numismatische Sammlungen an (z.B. in der Stiftsbibliothek St. Gallen).
Die Münzen und Medaillen von Josef Sager bilden in der Museumssammlung ein Konvolut aus über 600 Exemplaren. Alle Stücke wurden Josef Sager, seinen Erben oder nachfolgenden Besitzern abgekauft.
1622
D. 41.6 mm
Silber, Prägung
T 36198
Jean-Paul Divo, Edwin Tobler, Die Münzen der Schweiz im 17. Jahrhundert, Zürich 1987, Nr. 1398.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Kloster, Heraldik, Religion, Symbol, Tier

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