Münze: 1-Taler-Stück der Abtei St. Gallen, geprägt in St. Gallen zur Zeit von Fürstabt Beda Angehrn von Hagenwil (1767–1796), aus dem Nachlass von Karl Asmund Kappeler (1844–1924), Kaufmann in Kolumbien

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Vs.: Umschrift: «BEDA . D . G . – S . R . I . P (Rosette)» (BEDA DEI GRATIA SACRI ROMANI IMPERII PRINCEPS) (Beda von Gottes Gnaden Fürst des Heiligen Römischen Reichs). In Strichel- und Perlkreis das Familienwappen des Abts in ovalem Schild: zwei sich zugewandte Flügel, eingebogene Spitze mit Tanne auf Dreiberg, im Haupt drei sechsstrahlige Sterne, auf einem Hermelinmantel (Zeichen der Hoheitsgewalt) und umgeben von der Ordenskette des savoyischen Annunziatenordens mit anhängendem Kleinod (Verkündigungsszene). Darüber Fürstenkrone mit Reichsapfel, links davon Mitra (Kopfbedeckung der Bischöfe sowie von bestimmten Äbten mit Rechts- und Verwaltungshoheit) und zwei Krümmen von Krummstäben (Insignie und Symbol des Bischofs als Hirte der Gläubigen), rechts der Krone Schwert (Symbol der Gerichtsbarkeit).
Rs.: Umschrift: «A . B . B . S . G . – E . S . I . A . V . E .» (ABBAS SANCTI GALLI ET SANCTI IOANNIS IN VALLE THURAE ABBAS VIRGINIS ANNUNCIATAE EQUES) (Abt von St. Gallen und St. Johann im Thurtal, Ritter des Annunziatenordens). In Strichel- und Perlkreis ein nach rechts schreitender Bär, mit einem Stück Holz auf der Schulter, auf Wiesengrund, darunter Jahreszahl «1780.» in Kranz aus Palm- und Lorbeerzweig (Symbol des Siegs und Friedens sowie des Ruhms). Darunter «B» (B für Beda Angehrn als Auftraggeber der Emission dieser Münze).
Das Wappen der Stadt St. Gallen und dasjenige der ehemaligen Fürstabtei St. Gallen zeigen einen aufrecht schreitenden Bären. Das erste Siegel der Abtei St. Gallen mit der Darstellung eines Bären stammt aus dem Jahr 1334. Die Wahl dieser Wappenfigur geht wahrscheinlich auf die Galluslegende zurück, nach welcher der hl. Gallus im Jahr 612 beschloss, sich im Arboner Forst zurückzuziehen, um in der Wildnis eine Einsiedelei zu gründen. Noch in der ersten Nacht erschien ein Bär, welcher der Aufforderung des Eremiten nachkam, Brennholz zu sammeln und danach das Tal zu verlassen, ohne den Einsiedler anzugreifen. Aus der Einsiedelei entstand 719 das Kloster St. Gallen, aus dem sich die Stadt St. Gallen entwickelte. Seit dem ausgehenden Mittelalter stets auf goldenem (gelben) Grund dargestellt, trägt der Bär in den Wappendarstellungen der Fürstabtei St. Gallen zuweilen bereits im Spätmittelalter ein Stück Holz auf einer Schulter. In der Neuzeit nahm die Wappendarstellung mit dem ein Holz tragenden Bären zu, auch wenn beide Darstellungen – mit oder ohne Holz – bis zum Ende der Fürstabtei 1798, belegt sind. Im Gegensatz dazu zeigt das Wappen der Stadt St. Gallen den aufrecht schreitenden Gallus-Bär stets ohne Holz auf silbernem (weissem) Grund. Zusätzlich trägt der Bär ab 1475 ein goldenes Halsband, dies aufgrund eines kaiserlichen Wappenprivilegs für die durch die Stadt St. Gallen geleistete militärische Hilfe gegen Karl den Kühnen von Burgund.

1362 von Graf Amadeus VI. von Savoyen (1343–1383) gestiftet, entwickelte sich der Annunziatenorden zum prestigeträchtigen Hausorden (Zusammenschluss von Adligen nach Ordensstatuten) des savoyischen Herrscherhauses. Mit der Ernennung von Vittorio Emanuele II. aus dem Hause Savoyen 1861 zum König von Italien, wurde der Orden zur höchsten Auszeichnung des neugeschaffenen Königreichs. 1951 von der Italienischen Republik abgeschafft, wird das Ehrenzeichen heute als dynastischer Orden vom Oberhaupt der Familie Savoyen, dem ehemaligen Herrscherhaus, privat verliehen. Das Kleinod (Ordenszeichen) an der Collane (Ordenskette) zeigt die namengebende Verkündigungsszene aus dem Neuen Testament, in welcher der Erzengel Gabriel Maria die Empfängnis ihres Sohns Jesus mitteilt.

Kappeler legte während seines beruflichen Aufenthalts in Südamerika (um 1876–1891) eine wertvolle, umfangreiche Münzsammlung an. 1897 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück und unternahm ausgiebige Reisen durch Europa, von welchen er Souvenirs mit nach Hause brachte. Münzsammlung und Reiseandenken vermachte er testamentarisch dem Historischen Verein des Kantons Thurgau.
1780
D. 39.8 mm
Silber, Prägung
T 36197
Archiv Historisches Museum Thurgau, Akten Historisches Museum 03.17.02, Inventar Sammlung Kappeler (unpaginiert), S. 63.

Jean-Paul Divo, Edwin Tobler, Die Münzen der Schweiz im 18. Jahrhundert, Zürich 1974, Nr. 842.

Hans Brauchli, Thurgauer Ahnengalerie, Weinfelden 2003, S. 237–240.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Kloster, Heraldik, Religion, Symbol, Tier, Botanik

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