Münze: 1/2-Taler-Stück der Abtei St. Gallen, geprägt in St. Gallen zur Zeit von Fürstabt Beda Angehrn von Hagenwil (1767–1796), aus der ehemaligen Sammlung von Josef Sager (1905–1964)

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Vs.: Umschrift: «BEDA . D . G . – S . R . I . P .» (BEDA DEI GRATIA SACRI ROMANI IMPERII PRINCEPS) (Beda von Gottes Gnaden Fürst des Heiligen Römischen Reichs). In Strichelkreis auf einem Hermelinmantel (Zeichen der Hoheitsgewalt) und umgeben von der Ordenskette des savoyischen Annunziaten-Ordens mit anhängendem Kleinod (Verkündigungsszene) ovaler bekrönter Wappenschild des Fürstabts. Im Uhrzeigersinn zeigt das viergeteilte Wappen den aufrecht stehenden Bären nach rechts, mit einem Stück Holz auf der Schulter (Kloster St. Gallen), das Lamm Gottes mit Siegesfahne (Kloster St. Johann im Thurtal; unterstand der Fürstabtei), die Dogge nach links (Grafschaft Toggenburg; Herrschaftsgebiet der Fürstabtei) und das Familienwappen von Beda Angehrn mit zwei sich zugewandten Flügeln, eingebogener Spitze mit Tanne auf Dreiberg und drei sechsstrahligen Sternen im Haupt. Darüber Mitra (Kopfbedeckung der Bischöfe sowie von bestimmten Äbten mit Rechts- und Verwaltungshoheit), flankiert von je einer Krümme eines Krummstabs (Insignie und Symbol des Abts als Hirte der Gläubigen), darunter Lorbeer- und Palmzweig (Symbole des Siegs und Ruhms sowie des Friedens).
Rs.: Umschrift: «ABB . S . G . – E . S . I . A . V . E .» (ABBAS SANCTI GALLI ET SANCTI IOANNIS IN VALLE THURAE ABBAS VIRGINIS ANNUNCIATAE EQUES, Abt von St. Gallen und St. Johann im Thurtal, Ritter des Annunziatenordens). In Strichelkreis ein nach rechts schreitender Bär, mit einem Stück Holz auf der Schulter, darunter Jahreszahl und Stempelschneiderzeichen «V» (Stempelschneider Balthasar Vorster), zwischen Palm- und Lorbeerzweig.
Das Wappen der Stadt St. Gallen und dasjenige der ehemaligen Fürstabtei St. Gallen zeigt einen aufrecht schreitenden Bären. Das erste Siegel der Abtei St. Gallen mit der Darstellung eines Bären stammt aus dem Jahr 1334. Die Wahl dieser Wappenfigur geht wahrscheinlich auf die Galluslegende zurück, nach welcher der hl. Gallus im Jahr 612 beschloss, sich im Arboner Forst zurückzuziehen, um in der Wildnis eine Einsiedelei zu gründen. Noch in der ersten Nacht erschien ein Bär, welcher der Aufforderung des Eremiten nachkam, Brennholz zu sammeln und danach das Tal zu verlassen, ohne den Einsiedler anzugreifen. Aus der Einsiedelei entstand 719 das Kloster St. Gallen, aus dem sich die Stadt St. Gallen entwickelte. Seit dem ausgehenden Mittelalter stets auf goldenem (gelben) Grund dargestellt, trägt der Bär in den Wappendarstellungen der Fürstabtei St. Gallen zuweilen bereits im Spätmittelalter ein Stück Holz auf einer Schulter. In der Neuzeit nahm die Wappendarstellung mit dem ein Holz tragenden Bären zu, auch wenn beide Darstellungen – mit oder ohne Holz – bis zum Ende der Fürstabtei 1798, belegt sind. Im Gegensatz dazu zeigt das Wappen der Stadt St. Gallen den aufrecht schreitenden Gallus-Bär stets ohne Holz auf silbernem (weissem) Grund. Zusätzlich trägt der Bär ab 1475 ein goldenes Halsband, dies aufgrund eines kaiserlichen Wappenprivilegs für die durch die Stadt St. Gallen geleistete militärische Hilfe gegen Karl den Kühnen von Burgund.

1362 von Graf Amadeus VI. von Savoyen (1343–1383) gestiftet, entwickelte sich der Annunziaten-Orden zum prestigeträchtigen Hausorden (Zusammenschluss von Adligen nach Ordensstatuten) des savoyischen Herrscherhauses. Im Zug der Krönung von Vittorio Emanuelle II. aus dem Hause Savoyen 1861 als König von Italien, wurde der Orden zur höchsten Auszeichnung des neugeschaffenen Königreichs. 1951 von der Italienischen Republik abgeschafft, wird das Ehrenzeichen heute als dynastischer Orden vom Oberhaupt der Familie Savoyen, dem ehemaligen Herrscherhaus, privat verliehen. Das Kleinod (Ordenszeichen) an der Collane (Ordenskette) zeigt die namengebende Verkündigungsszene aus dem Neuen Testament, in welcher der Erzengel Gabriel Maria die Empfängnis ihres Sohns Jesus mitteilt.

Die Münze gehörte zur Sammlung von Josef Sager (1905–1964), einem Lehrer und Autodidakten aus Münchwilen. Seit den 1930er-Jahren galt Sager in der Ostschweiz als Fachmann für Numismatik. Selbst Münzsammler erwarb er mehrere Hortfunde auf dem Gebiet der Ostschweiz und bot sich zudem als Gutachter für numismatische Sammlungen an (z.B. in der Stiftsbibliothek St. Gallen).
Die Münzen und Medaillen von Josef Sager bilden in der Museumssammlung ein Konvolut aus über 600 Exemplaren. Alle Stücke wurden von Josef Sager, seinen Erben oder nachfolgenden Besitzern erworben.
Vorster, Balthasar (1749–1826), Graveur und Petschaftstecher, Diessenhofen
1776
D. 31.9 mm
Silber, Prägung
T 8091
Leonard Forrer, Biographical Dictionary of Medallists, Coin, Gem, and Seal-Engravers, Mint-Masters, & c., Ancient and Modern with references to their works, B.C. 500 – A.D. 1900, London 1902–1930, Bd. 6, S. 312–313 (Balthasar Vorster).

Jean-Paul Divo, Edwin Tobler, Die Münzen der Schweiz im 18. Jahrhundert, Zürich 1974, Nr. 843.

Hans Brauchli, Thurgauer Ahnengalerie, Weinfelden 2003, S. 237–240.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Kloster, Heraldik, Religion, Symbol, Botanik, Tier