Münze: 16-Pesos-Stück der Republik Nueva Granada, geprägt in Popayán (heute Kolumbien), aus dem Nachlass von Karl Asmund Kappeler (1844–1924), Kaufmann in Kolumbien

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Vs.: Umschrift: «REPUBLICA DE LA NUEVA GRANADA». In Strichelkreis Frauenbüste mit Diadem mit Schrift «LIBERTAD» (Allegorie der Freiheit), nach links, darunter «1844 .».
Rs.: Umschrift: «DIEZ I SEIS PESOS . POPAYAN . U . M .». In Strichelkreis von einem Kondor und Schriftband «LIBERTAD Y ORDEN» (Freiheit und Ordnung) bekrönter spitzer, in drei horizontale Felder geteilter Wappenschild der Republik Neugranada, oben Granatapfel (Erinnerung an Nueva Granada, dem alten Namen für Kolumbien) zwischen Füllhörnern, in der Mitte Lanze mit phrygischer Mütze (Symbol für die republikanische Gesinnung), unten zwei Segelschiffe, eines auf dem Pazifik, das andere auf dem Atlantik, dazwischen die Landenge von Panama, darunter Rosette.
Die Republik Neugranada war von 1831 bis 1858 ein Staat, der im Wesentlichen aus dem heutigen Kolumbien und Panama bestand. Beide Münzseiten betonen die Souveränität. Die dargestellten Freiheitssymbole verweisen auf den erfolgreichen Unabhängigkeitskampf gegen die spanische Krone (1810–1819). Als Vorbild für die Gestaltung der Münzbilder dürften zeitgenössische US-amerikanische Goldmünzen mit der Büste der Freiheit sowie dem Weisskopfseeadler mit Wappenschild gedient haben. Während die Vorderseite die Allegorie der Freiheit in Form einer weiblichen Büste mit Diadem mit Schriftzug «LIBERTAD» (Freiheit) zeigt, präsentiert die Rückseite einen dreigeteilten Wappenschild, der von einem Kondor mit Schriftband überhöht ist. Der bewusste Rückgriff auf den einheimischen Vogel Kondor als Wappentier auf Münzen, ikonografisch angelehnt an den nordamerikanischen Weisskopfseeadler oder den europäischen Steinadler, zeigt das Selbstbewusstsein der jungen Republik, indem diese ein bis zu diesem Zeitpunkt unbekanntes heraldisches Tier, jedoch mit eindeutigem Bezug zu Lateinamerika für ihre neuen Münzen wählte. Wie der Adler in Europa und Nordamerika symbolisiert der Kondor, eine in den Andenstaaten verbreitete Geierart, Macht und Stärke. Auf dem Schriftband in seinem Schnabel steht der Leitspruch «LIBERTAD Y ORDEN» (Freiheit und Ordnung). Die Wappenfiguren auf dem dreigeteilten Wappenschild beziehen sich symbolisch auf Wohlstand (Füllhörner), Handel (Schiffe) und Freiheit (Lanzenspitze mit phrygischer Mütze, dem Symbol der freigelassenen Sklaven im antiken Rom).

In Anlehnung an die früheren spanischen Goldmünzen erscheinen auf der Rückseite der Münze ebenfalls die Initialen der für die Prägung verantwortlichen Münzbeamten «U . M .». Eine Massnahme, welche Manipulationen bei der Herstellung der Münzen in der Münzstätte vorbeugen sollte, da die Verantwortlichen sofort zur Rechenschaft gezogen werden konnten.

Der in Frauenfeld geborene und in St. Gallen zum Kaufmann ausgebildete Kappeler sammelte während seines beruflichen Aufenthalts in Südamerika (um 1876–1891) einen umfangreichen Bestand an wertvollen Münzen. 1897 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück und unternahm ausgiebige Reisen durch Europa, von welchen er Souvenirs mitbrachte. Münzsammlung und Reiseandenken vermachte er testamentarisch dem Historischen Verein des Kantons Thurgau.
1844
D. 37.1 mm
Gold, Prägung
T 6687
Archiv Historisches Museum Thurgau, Akten Historisches Museum 03.17.02, Inventar Sammlung Kappeler (unpaginiert), S. 11.

Chester L. Krause, Clifford Mishler, Standard Catalog of World Coins 1801–1900, Iola 2001, Nr. 94.2.
Schlagwörter: Numismatik, Staatliche Institutionen, Heraldik, Allegorie, Symbol, Tier

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