Münze: 2-Franken-Stück der Schweizerischen Eidgenossenschaft, geprägt in Bern, aus der Sammlung von Maria Walenta (1876–1961)

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Vs.: Umschrift: «HELVETIA». In Perl- und Linienkreis sitzende Helvetia nach links (allegorische Figur, welche die Schweiz repräsentiert und Unabhängigkeit, Freiheit, Neutralität und Einigkeit verkörpert), die Linke auf den spatenförmigen Schild mit dem hochovalen Schweizer Wappen gelegt, die Rechte über das Alpenpanorama im Hintergrund ausstreckend. Hinter der Allegorie Sterzen des Pflugs und drei Ähren, vermutlich Weizen da ohne Grannen (Symbole der Prosperität). Im Abschnitt Name des Graveurs «KORN».
Rs.: In Perl- und Linienkreis die Angaben «2 Fr. / 1863» in einem unten mit Schleifen gebundenem Kranz aus Alpenrosen (Alpenblume, Symbol für die Alpen bzw. die Schweiz als Alpenland) und Eichenzweigen (Symbol der Stärke, Treue und Einheit). Darunter «B», das Zeichen der Münzstätte Bern.
Im 16. Jh. kam der Begriff «Helvetia» als Bezeichnung für das Territorium der damaligen Schweiz auf, da die Eidgenossen als Nachfahren der Helvetier, eines keltischen Volksstamms, betrachtet wurden. Die Darstellung der Helvetia als Landesmutter trat im späten 17. Jh. in Erscheinung. Sowohl katholische wie protestantische Gläubige konnten sich mit der Allegorie identifizieren. Als eidgenössische überkonfessionelle und überregionale Leitfigur wurde sie im 19. Jh. wichtig, da sich die Bevölkerung im neuen Nationalstaat vor 1848 zunächst mit ihrem jeweiligen Kanton identifizierte. Als Verkörperung abgebildet oder als Begriff erwähnt, war Helvetia insbesondere auf Münzen und Briefmarken präsent. Nach der Gründung des Schweizer Bundesstaats 1848 übernahm der Bund die Münzhoheit. Helvetia war nun ein Sinnbild für eine stabile Währung. Zuerst vor einem Alpenpanorama sitzend, ist sie seit 1874 stehend und mit einem Speer bewaffnet dargestellt.

Der 1825 in Mainz geborene Ferdinand Korn wurde 1855 Hauptgraveur an der neuen Eidgenössischen Münzstätte in Bern und 1858–1859 ihr Direktor. Sein Name steht auf den Frankenstücken der Jahre 1857 bis 1863. Als Münzmeister des Herzogs von Nassau in Wiesbaden arbeitete er ab 1859 bis zur Schliessung der Münzstätte 1866.

Maria Walenta (1876–1961) wurde im tschechischen Graslitz geboren und kam um 1903 zu ihrem Bruder Rudolf (1875–1933) nach Frauenfeld, der hier bereits seit 1893 bei der Instrumentenbauerin Marie Wolf arbeitete. Maria Walenta führte wohl den Haushalt Wolf, in welchem auch ihr Bruder lebte. Marie Wolf vermachte 1934 per Testament ihr Haus an der Thundorfstrasse Maria Walenta zur Nutzniessung bis zu ihrem Tod. Nach dem Willen der Testatorin sollte dieses Objekt nach dem Tod der Begünstigten an die Bürgergemeinde Frauenfeld übergehen, wobei der Erlös aus dem späteren Verkauf der Liegenschaft für einen Musikpavillon sowie für einen Springbrunnen im Stadtpark Burstel bestimmt war. Das Legat wurde als «Fräulein Marie Wolf und Herrn Rudolf Walenta-Fonds» bezeichnet.
Maria Walenta vermachte ihrerseits dem Historischen Museum Thurgau eine reichhaltige Münz- und Papiergeldsammlung (vor allem Notgeld um 1920, Banknoten, Gutscheine und Marken aus Papier) sowie einige Antiquitäten. Wer die Münzen erworben hat – Maria Walenta, ihr Bruder oder die Familie Wolf –, bleibt unklar.
Fisch, Friedrich, Entwerfer

Korn, Ferdinand (*1825), Stempelschneider, Direktor der Eidgenössischen Münze
1863
D. 27.2 mm
Silber, Prägung
T 36544
Jean-Paul Divo, Edwin Tobler, Die Münzen der Schweiz im 19. und 20. Jahrhundert, Zürich 1967, Nr. 303.

Tobias Scheidegger, Mythos Edelweiss, Zur Kulturgeschichte eines alpinen Symbols, Eine Dokumentation, recherchiert und verfasst im Auftrag der Botanischen Gärten Zürich und Genf, 2008. https://www.isek.uzh.ch/dam/jcr:00000000-1d25-814c-ffff-ffffdedb53f5/MythosEdelweiss.pdf, aufgerufen am 06.01.2024.

Numis Post, das Schweizerische Magazin für Münzen, Münzstätte Bern, https://www.numis-online.ch/muenzstaette-bern.html, aufgerufen am 27.12.2025.

Georg Kreis, Helvetia (Allegorie), in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 13.10.2014, aufgerufen am 28.12.2025.
Schlagwörter: Numismatik, Kunsthandwerk, Staatliche Institutionen, Allegorie, Heraldik, Symbol, Botanik