Münze: 5-Franken-Stück der Schweizerischen Eidgenossenschaft, geprägt in Bern

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Vs.: Umschrift: «HELVETIA». In Perl- und Linienkreis sitzende Helvetia nach links (allegorische Figur, welche die Schweiz repräsentiert und Unabhängigkeit, Freiheit, Neutralität und Einigkeit verkörpert), die Linke auf den spatenförmigen Schild mit dem hochovalen Schweizer Wappen gelegt, die Rechte über das Alpenpanorama im Hintergrund ausstreckend. Hinter der Allegorie Sterzen des Pflugs und drei Ähren, vermutlich Weizen da ohne Grannen (Symbole der Prosperität). Links am Rand, oberhalb der Bergkulisse Name des Stempelschneiders im Gegenuhrzeigersinn «A. Bovy».
Rs.: In Perl- und Linienkreis die Angaben «5 Fr. / 1874» in einem unten mit Schleifen gebundenem Kranz aus Alpenrosen (Alpenblume, Symbol für die Alpen bzw. die Schweiz als Alpenland) und Eichenzweigen (Symbol der Stärke, Treue und Einheit). Darunter «B», das Zeichen der Münzstätte Bern.
Im 16. Jh. kam der Begriff «Helvetia» als Bezeichnung für das Territorium der damaligen Schweiz auf, da die Eidgenossen als Nachfahren der Helvetier, eines keltischen Volksstamms, betrachtet wurden. Die Darstellung der Helvetia als Landesmutter trat im späten 17. Jh. in Erscheinung. Sowohl katholische wie protestantische Gläubige konnten sich mit der Allegorie identifizieren. Als eidgenössische überkonfessionelle und überregionale Leitfigur wurde sie im 19. Jh. wichtig, da sich die Bevölkerung im neuen Nationalstaat vor 1848 zunächst mit ihrem jeweiligen Kanton identifizierte. Als Verkörperung abgebildet oder als Begriff erwähnt, war Helvetia insbesondere auf Münzen und Briefmarken präsent. Nach der Gründung des Schweizer Bundesstaats 1848 übernahm der Bund die Münzhoheit. Helvetia war nun ein Sinnbild für eine stabile Währung. Zuerst vor einem Alpenpanorama sitzend, ist sie seit 1874 stehend und mit einem Speer bewaffnet dargestellt. Bei der vorliegenden Münze handelt es sich um eines der letzten ausgegebenen Exemplare mit der sitzenden Allegorie. Sowohl die Münzstätte in Brüssel, wie auch jene in Bern prägten 1874 solche Stücke, wobei das Zeichen der Brüsseler Münzstätte in Unterscheidung zu jener von Bern einen Punkt nach dem B aufweist.
Fisch, Friedrich, Entwerfer

Bovy, Antoine (1795–1877), Bildhauer, Münzgraveur, Medailleur
1874
D. 37.2 mm
Silber, Prägung
T 24145
Jean-Paul Divo, Edwin Tobler, Die Münzen der Schweiz im 19. und 20. Jahrhundert, Zürich 1967, Nr. 296.

Tobias Scheidegger, Mythos Edelweiss, Zur Kulturgeschichte eines alpinen Symbols, Eine Dokumentation, recherchiert und verfasst im Auftrag der Botanischen Gärten Zürich und Genf, 2008. https://www.isek.uzh.ch/dam/jcr:00000000-1d25-814c-ffff-ffffdedb53f5/MythosEdelweiss.pdf, aufgerufen am 06.01.2024.

Georg Kreis, Helvetia (Allegorie), in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 13.10.2014, aufgerufen am 28.12.2025.
Schlagwörter: Numismatik, Kunsthandwerk, Staatliche Institutionen, Allegorie, Heraldik, Symbol, Botanik