Perkussionsgewehr der Frauenfelder Kadetten, in der Art der eidgenössischen Ordonnanz von 1842 für die Genietruppen und Artiellerie, mit nummergleichem Stichbajonett

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Ruder glatter Lauf, ab Kammer oktogonal. Standvisier mit U-förmiger Kimme auf Angel, eisernes Linsenkorn. Schlosshahn mit geriffeltem Hahnsporn (Griffoptimierung). Messinggarnitur mit drei Bändern, Abzugsbügelblatt mit zwei Querrippen (Griffoptimierung), schmales Schlossblech und Kolbenkappe. Zwei Bügel für den Tragriemen. Stahlladestock mit kegelstumpfförmigem Kopf. Schaft mit langem Hals, Kolbennase und Kolben mit geradem Abschluss.

Schläge: Auf Lauf in Oval mit Stern Lièger Beschussmarke (amtliche Prüfung) «ELG» (Épreuve Liège). Besitzerstempel «TH» für Zeughaus Frauenfeld und Waffennummer «17». Punze «LM» mit Krone darüber für den Hersteller Louis Malherbe in Liège. Auf Schlossplatte «LOUIS MALHERBE» und Punze von Malherbe. Abzugsbügel, Bügelblatt, Seitenplatte, Kolbenkappe und alle Bänder mit je Punze des Herstellers. Auf Schaft «TH 17» und «D». Auf Ladestock «B» oder «8». Bajonett mit «17», «S»?, «M»?.
Lieferanten für die Gewehre der eidg. Truppen und der Schweizer Kadetten waren hauptsächlich Manufakturen in Frankreich und Belgien wie die Waffenfabrik der Gebrüder Malherbe in Liège (BEL).
Auch der russische Zar bezog Waffen vom belgischen Produzenten, so wurde seine Armee 1843 mit 8000 Karabinern ausgerüstet.
In der belgischen Stadt Lüttich (Liège) fertigten seit dem 16. Jh. Waffenschmiede Gewehre an. Stellten die Produzenten anfänglich Kanonenläufe und Kugeln her, schmiedeten sie ab dem 17. Jh. Bestandteile für Handfeuerwaffen. Ab 1672 prüfte ein offiziell bevollmächtigter Kontrolleur die Qualität der Läufe und versah sie mit einem gepunzten Gütezeichen (Beschau), das die Qualität der Ware garantierte. Jedoch erst ab 1810 durften nur noch begutachtete Produkte ausgeliefert werden. Die Waffenschmiede führten ihre Arbeit im Auftrag von Zwischenhändlern aus, die den Kontakt zu den Kunden hatten.

Kadettenkorps sind die ältesten Kinder- und Jugendverbände der Schweiz und entstanden im 18. Jh. Sie hatten zum Ziel, 10- bis 15-jährige Knaben mit Waffenübungen, Marschtraining, Patrouillenläufen, Paraden und Manövern auf den Armeedienst vorzubereiten. Bis 1972 unterstützte der Bund finanziell das Kadettenwesen.
Die Ausbildung der Thurgauer Kadetten erfolgte an der 1853 gegründeten Kantonsschule Frauenfeld, wo ein von der Regierung gewählter Kadettenchef die Schüler unterrichtete. Allmählich entwickelte sich der militärische Drill hin zur sportlichen Ertüchtigung. Der obligatorische Schiessunterricht für Kadetten blieb bis 1970 bestehen.
Malherbe, Pierre-Josef, Waffenhersteller in Liège (Lüttich, BEL) (1830–1865)
ab 1853
L. 119 cm, Lauf mit Schwanzschraube L. 83.5 cm; Bajonettlänge 38.5 cm
Stahl, Eisen, Messing, Nussbaumholz
T 40357
Libausches Wochenblatt, Nr. 58, 21. Juli 1843. https://dom.lndb.lv/data/obj/file/6518575, aufgerufen am 08.11.2024.

Albert W. Schoop, Geschichte der Thurgauer Miliz, Frauenfeld 1948.

Hugo Schneider, Michael am Rhyn, Eidgenössische Handfeuerwaffen (Bewaffnung und Ausrüstung der Schweizer Armee seit 1817, Bd. 2), Dietikon-Zürich 1979, S. 103.
Schlagwörter: Militaria, Bildungswesen, Staatliche Institutionen, Waffen