Saiteninstrument: Diatonisch gestimmte Harfe mit einer Reihe Saiten

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Gestimmt auf die C-Dur-Tonleiter über drei Oktaven, mit Quint von C–c” (die Quinte über dem Ton C ist der Ton G) und mit vier eingeschobenen B-Saiten, d. h. die Harfe ist in C- und F-Dur spielbar.

Resonanzkörper in Kastenkonstruktion mit Decke aus Ahornholz (Längsholz), Boden aus Tannenholz (Abies alba) (Längsholz) und Seiten aus Fichtenholz.
30 Saiten im Winkel montiert: unten 19–20°, Mitte um 23°, oben um 26°. Saiten an der Vorderseite am Hals an Eisenvorsätzen befestigt, die durch den Hals verlaufen und auf der Rückseite in Stimmwirbeln münden, die mittels eines spezifischen Schlüssels gedreht werden können, um die Saiten zu spannen bzw. zu stimmen. An der Decke des Resonanzbodens liegen die Saiten in Löchern, die mit je einem hölzernen Einstecknagel mit Schnarrhaken versehen sind. Diese Haken haben eine seitliche Ausprägung, an welcher die Saite beim Spielen anschlägt, was einen schnarrenden Ton hinterlässt.
Resonanzkasten mit vier Paaren von Schallöffnungen in Tropfen- und Herzform sowie zwei verschiedenen Blütenformen, wobei die Blüten aus mehreren unterschiedlich geformten Löchern bestehen, die in umlaufenden Reihen angeordnet sind.
30 hölzerne Einstecknägel, wovon sechs fehlen. Geschwungener Hals eingesattelt und mit exponierten abgesetzt geschnitzten Voluten und vertieft geschnitzten dreieckigen Kartuschen gestaltet. Über den Eisenvorsätzen stehen in Braun jeweils die Töne der Tonleiter, tw. unleserlich verblasst oder überdeckt mit dunkler Farbe, oben beginnend «[...] D E F G A B C D E F G A B C D E F G A B C D E F G [...] B [...]».
Säule rechteckig, oben passgenau zum Hals erweitert und mit inneren gefasten Kanten.
Eine diatonische Harfe ist auf eine bestimmte Tonart gestimmt und hat nur die sieben Stammtöne einer Oktave. Um einen Tonartwechsel vorzunehmen, wie hier von der C- auf die F-Dur, muss die Harfe umgestimmt werden. Der Ton beim Harfenspiel wird mittels Zupfen der angespannten Saite über dem Resonanzkörper erzeugt.

Die Harfe – im Hornboste-Sachs-System unter den zusammengesetzten Saiteninstrumenten verzeichnet – ist heute als das grösste Orchesterinstrument mit einer Höhe von 175–190 cm bekannt. Das imposante edle und 34–42 kg schwere Zupfinstrument mit mehreren Pedalen und 47 Saiten, im Orchester mehrheitlich solistisch von einer Harfenistin gespielt, wird daher Konzertharfe genannt.
Ältere Harfen waren wesentlich einfacher gebaut, leichter und kleinformatiger sowie tragbar und wurden von umherziehenden Musikanten gespielt.
Überliefert sind Jahrtausende alte ägyptische Wandmalereien wie auch griechische keramische Gefässe mit Abbildungen der Vorläufer der neuzeitlichen Harfen. Die Form der vorliegenden Harfe mit Resonanzkörper und Säule, die im spitzen Winkel zueinander stehen, dem verbindenden Hals und den Saiten, die senkrecht zum Resonanzkasten verlaufen, entwickelte sich in Europa im Mittelalter. Barden und Troubadoure musizierten mit dem Instrument. Ab 1720 kam der Bau einer Harfe mit dem Pedalsystem auf, wodurch das Harfenspiel melodisch vielfältiger wurde, da nun in verschiedenen Tonarten flexibel während des Vortrags gespielt werden konnte. Vorliegende Harfe gehört noch in die Epoche vor dieser technischen Weiterentwicklung. Bis um 1600 gehörte eine diatonische Harfe zur Hofkapelle der Habsburger Kaiser. In den folgenden Jahrhunderten spielten vermehrt Volksmusikanten die Harfe.

2025 wurden die Jahresringe des Resonanzkastenbodens dieser Harfe vom Archäologen Willy Tegel (Mitarbeiter am Lehrstuhl für Waldwachstum und Dendroökologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.) dendrochronologisch untersucht, um Hinweise zum Alter des untersuchten Bretts (und damit zur Harfe) und zu seiner Herkunft zu erhalten. Die Analyse und ihre Auswertung ergaben, dass die Jahrringkurve des Resonanzbodens der Harfe mit Kurven nordostfranzösischer (Lothringen, Elsass), nordwestschweizerischer (Basel-Land, Basel-Stadt) sowie süddeutscher (Schwarzwald) Tannenholzreferenzen, die ins 17. Jh. verweisen, wie folgt übereinstimmt: Vogesen in Lothringen 1662, Vogesen im Elsass 1629, Basel-Land 1629, Basel-Stadt 1629, Schwarzwald 1629. Der letzte messbare Jahrring des für den Resonanzboden genutzten Tannenbretts der Harfe wurde demnach 1662 ausgebildet. Vermutlich gingen 10–20 Jahrringe bei der Verarbeitung des Bretts verloren, weshalb das Jahr 1662 ein sogenannter terminus post quem ist, d. h. das frühstmögliche Fälljahr des Baums bedeutet. Nach dem Fällen des Baums wurde das Holz mehrere Jahre getrocknet. Somit ist sicher, dass die Harfe nicht älter als 1662 sein kann und wahrscheinlich im ausgehenden 17. Jh. gefertigt wurde. Tegel: «Die dendrochronologisch guten Korrelationen mit Referenzen der Vogesen und angrenzenden Regionen lassen vermuten, dass die Harfe in Lothringen hergestellt wurde».

Alfred Kesselring, ein Landwirt und Weinhändler in Boltshausen schenkte dieses Instrument um 1886 dem Historischen Verein des Kantons Thurgau.
nach 1662/17. Jh.
H. 114 cm, B. oben 62, unten 15.5 cm, T. oben 3.1, unten 4.4 cm, Resonanzkasten L. 101.7 cm
Resonanzkörperkasten aus Tannen- und Fichtenholz mit 0.3–0.5 cm dickem Deckel aus Ahornholz; Hals aus Ahornholz; Säule aus Buchenholz (nicht original); Einstecknägel aus Nadelholz
T 196
Hans Alfred Girard, Musik im Schloss Frauenfeld, Instrumente, Bilder und Noten aus dem 16.–19. Jh., in: Mitteilungen aus dem Thurgauischen Museum 18, 1967.

Dagmar Droysen-Reber, Harfe, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Version vom 25.04.2003. https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_H/Harfe.xml, aufgerufen am 26.10.2025.

Petra Roeder, Die Geschichte der Harfe, Musik im Mittelalter (Saxa et Libri, Bd. 10). http://www.dendlon.de/Harfe.html, aufgerufen am 26.10.2025.
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