Münze: Aes-1-Münze des Römischen Kaiserreichs, geprägt in Rom zur Zeit von Kaiser Diocletianus (284–305 n. Chr.)

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Vs.: Umschrift: «IMP C DIOCLETIANVS P F AVG» (Imperator Caesar Diocletian, Pius Felix Augustus). In Linienkreis Kopfporträt nach rechts von Diocletianus mit Bart, als Zeichen seiner Weisheit, und Lorbeerkranz (Symbol des Siegs und Ruhms).
Rs.: Umschrift: «GENIO POPV – L – I ROMANI». In Linienkreis stehender Genius (göttlicher Schutzgeist) nach links, Chlamys (Mantel) über die linke Schulter drapiert, auf dem Kopf ein Modius (zylindrische Kopfbedeckung), in der Linken eine Cornucopia (Füllhorn, Symbol des Überflusses und des Wohlstands) und in der Rechten eine Patera (Opferschale, ein Sakralinstrument, Symbol der Pietät gegenüber den Göttern) haltend, darunter das Münzstättenzeichen «R = // A».
Gaius Aurelius Valerius Diocletianus leitete 294 n. Chr. eine Münzreform ein, um das uneinheitliche und unüberschaubare römische Währungssystem auf solide Füsse zu stellen. Neben der Goldmünze (Aureus) und der Silbermünze (Argenteus) wurde eine Kupfermünze (Aes), der Follis, mit einem Gewicht von ca. 10 g und einem Durchmesser von 25 bis 27 mm ausgegeben. Die vorliegende Münze entspricht letzterer Geldeinheit. Sie zeigt auf der Rückseite einen Genius, die Personifikation des Schutzgeists des römischen Volkes, dem die Münze, gemäss der Umschrift «genio populi romani», gewidmet ist. Damit spricht der Kaiser alle Bewohner des Reichs an und appelliert an die Gemeinschaft im römischen Herrschaftsgebiet. Diokletian war es gelungen, das zerstrittene Reich zu einigen.
Neben dem Genius steht der Buchstabe «R» für die Münzstätte Rom sowie zu seinen Füssen ein «A» für die erste Werkstatt (prima officina) dieser Münzstätte. Wichtige Münzstätten wie Rom verfügten über mehrere Werkstätten, die gleichzeitig das ihnen zugewiesene Metall zu Münzen verarbeiteten. Mit der Münzreform von Diokletian wurden nun im ganzen Imperium neue Münzstätten eröffnet. Diese produzierten in der Regel die gleichen Münzserien mit einheitlichem Gewicht und Münzbild. Um die Herkunft der Münzen festzustellen, wurden Münzstätten-Abkürzungen und weitere Kürzel (zumeist aus Buchstabenkombinationen) für die einzelnen Münzemissionen entwickelt. Ziel war es, die Qualitätskontrolle der Prägungen sicherzustellen. Im Fall von Produktionsfehlern konnte so die betreffende Münzstätte mit der jeweiligen Werkstatt ermittelt werden.

Das antike Exemplar war im Besitz der Kantonsschule Frauenfeld, die 1853 eröffnet wurde und im 19. Jh. eine Sammlung pflegte, die neben botanischen, zoologischen und ethnografischen auch numismatische Stücke umfasste. Letztere kuratierte der Kantonsschullehrer Josef Büchi (1849–1921), Altphilologe, Althistoriker und Aktuar des Historischen Vereins des Kantons Thurgau, der die Münzensammlung inventarisierte und dazu den ersten Münzkatalog verfasste, in welchem um die 200 Einzelstücke neben der summarischen Registrierung der 155 im Schaarenwald bei Schlatt ausgegrabenen Exemplare beschrieben sind.
296–297 n. Chr.
D. 25.9 mm
Aes, Prägung
T 34767
Josef Büchi, Münzinventar, 1893?, S. 55, Nr. 16.

Gustav Büeler, Joseph Büchi (Nachruf) (Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Bd. 60), 1921, S. 92–94.

Carol Humphrey Vivian Sutherland, From Diocletian's Reform (AD 294) to the Death of Maximinus (AD 313) (The Roman Imperial Coinage, Bd. 6), London 1967, Nr. 64.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Porträt, Symbol, Allegorie, Mythologie

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