Münze: Aes-3-Münze des Römischen Kaiserreichs, geprägt in Constantina/Arelate (heutiges Arles) zur Zeit von Kaiser Constantinus I. (306–337 n. Chr.), auch Konstantin der Grosse genannt, ausgegeben für seinen Sohn Constans

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Vs.: Umschrift: «FL IVL CONSTANS NOB C» (Flavius Julius Constantius Nobilissimus Caesar). In Linienkreis Porträtbüste des Constans mit Lorbeerkranz (Symbol des Siegs und Ruhms) und Paludament (Soldatenmantel) nach rechts.
Rs.: Umschrift: «GLOR – IA EXERC – ITVS» (Gloria Exercitus) (Ruhmreiches Heer). In Linienkreis zwei Standarten (militärische Feldzeichen), flankiert von zwei Soldaten, je mit der äusseren Hand ein auf den Boden gerichtetes Spiculum (Speer) (Symbol der Wehrhaftigkeit und der militärischen Stärke) haltend, Münzstättenzeichen «Chi-Rho-Monogramm // SCONST».
Die Feldzeichen oder Standarten hatten im antiken Rom eine herausragende Bedeutung für die einzelnen Legionen. Jede Einheit innerhalb einer Legion besass eigene Feldzeichen, die ursprünglich zur optischen Übermittlung von Befehlen dienten. Das wichtigste Feldzeichen einer Legion war der Legionsadler, der an einer Hasta befestigt als Hauptstandarte diente und kultische Verehrung erfuhr. Die grösste Schmach einer Legion war der Verlust des Adlers im Kampf.
Auf der Rückseite der Münze sind zwei Legionäre mit Lanzen und Schilden abgebildet, die je eine Standarte als Sinnbild für das römische Heer halten. Die Umschrift «GLOR - IA EXERC – ITVS» (ruhmreiches Heer) verweist auf die Wichtigkeit der römischen Armee für das Staatswesen und den Schutz der Reichsbevölkerung vor äusseren Feinden. Unter den beiden Legionären steht das Münzstättenkürzel «SCONST», das sich aus einem «S» für secunda officina (zweite Werkstätte) und dem eigentlichen Kürzel für die Münzstätte Constantina, dem heutigen Arles in Südfrankreich, zusammensetzt. Die Stadt führte 328–340 n. Chr. und wiederum 353–474 n. Chr. den Namen Constantina. Zwischen den Standarten der Legionäre ist das Christus-Monogramm, das sich aus den griechischen Buchstaben Chi und Rho zusammensetzt, sichtbar. In diesem Fall bezeichnet es die Emission. Dank dieser Emissionszeichen können spätrömische Münzen häufig auf das Jahr genau datiert werden.

Das Chi-Rho-Monogramm ist ein Symbol, das aus den ersten beiden Buchstaben des griechischen Worts «Χ-Ρ-ΙΣΤΟΣ» (CH-R-ISTOS) besteht. Die beiden Anfangsbuchstaben zusammen sehen aus wie ein überlappendes «XP». Das Chi-Rho-Monogramm verweist auf Christus und wurde als Zeichen des Glaubens und der Macht des Christentums verwendet. Bekannt wurde das Symbol durch den römischen Kaiser Konstantin der Grosse (306–337 n. Chr.), der seine Schilde und Banner mit diesem markieren liess. Der Legende nach hatte Konstantin vor einer entscheidenden Schlacht an der Milvischen Brücke 312 n. Chr. eine Vision, in der ihm das Chi-Rho-Monogramm erschien, begleitet von den Worten «In diesem Zeichen wirst du siegen».

Das antike Exemplar war im Besitz der Kantonsschule Frauenfeld, die 1853 eröffnet wurde und im 19. Jh. eine Sammlung pflegte, die neben botanischen, zoologischen und ethnografischen auch numismatische Stücke umfasste. Letztere kuratierte der Kantonsschullehrer Josef Büchi (1849–1921), Altphilologe, Althistoriker und Aktuar des Historischen Vereins des Kantons Thurgau, der die Münzensammlung inventarisierte und dazu den ersten Münzkatalog verfasste, in welchem um die 200 Einzelstücke neben der summarischen Registrierung der 155 im Schaarenwald bei Schlatt ausgegrabenen Exemplare beschrieben sind.
336 n. Chr.
D. 18 mm
Aes, Prägung
T 34843
Josef Büchi, Münzinventar, 1893?, S. 43, Nr. 115.87.

Gustav Büeler, Joseph Büchi (Nachruf) (Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Bd. 60), 1921, S. 92–94.

Patrick M. Bruun, Constantine to Licinius AD 313–337 (The Roman Imperial Coinage, Bd. 7), London 1966, Nr. 397.

https://smb.museum-digital.de/object/153034?navlang=en, aufgerufen am 28.04.2024.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Porträt, Symbol, Militaria, Waffen

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