Feldstutzer der Thurgauer Scharfschützen, Vorderladergewehr mit Perkussionsschloss, eidgenössisches Modell 1851

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Runder gezogener Lauf, hinten oktogonal. V-förmige Kimme und seitlich eingeschleiftes Dachkorn. Stecherabzug. Schlosshahn mit geriffeltem Hahnsporn (Griffoptimierung). Gebläute Eisengarnitur mit Vorderband (Mittelband fehlt), langer Ladestockpfeife, Abzugsbügel mit Fingerhaken, Kolbenkappe mit olivenförmiger Kappenschraube mit Loch oben und gerundetem Fuss unten (Stellhorn). Laufbefestigung mit zwei Schiebern und Stift. Nicht originaler Ladestock aus Eisen. Zwei Bügel für den Tragriemen. Dieser mit halbrunder Messingschnalle und einem Doppelniet-Knopf aus Messing. Vollschaft mit geschweifter Kolbenkappe und Kolbennase.

Schläge: Auf Schafthals Monogramme des Besitzers oder Büchsenmachers «PJ H», «PJ» sowie Stempel vom Zeughaus Frauenfeld «TH» (Besitzer) und «9»?.
Beim Stutzer handelt es sich ursprünglich um ein kurzes, besonders handliches Jagdgewehr mit gezogenem Lauf und vollem Schaft bis zur Mündung. Im militärischen Bereich erlangte der Stutzer Bedeutung als besonders präzise Waffe bei den im 18. Jh. aufgestellten Jäger- und Scharfschützeneinheiten.
1851 wurde das eidg. Scharfschützenkorps, eine Eliteeinheit aus Kontingenten weniger Kantone, erstmals mit einer Ordonnanzwaffe ausgestattet, die der Bundesrat 1850 genehmigt hatte. Mit diesem Schritt versah die Schweiz zum ersten Mal ihre Armee mit einer in allen Kantonen identischen Waffe (Ordonnanzwaffe). Allerdings gab es Lieferschwierigkeiten bei der Beschaffung der Bestandteile. Im Schreiben vom 20. Mai 1850 kündigte das eidg. Militärdepartement den Regierungen jener Kantone, die Scharfschützencorps unterhielten, an, dass der Verwalter des eidg. Kriegsmaterials ein Modell des Stutzers nach neuer eidg. Ordonnanz zusenden werde. Das Modell diente den kantonalen Büchsenmachern als Vorlage für den Bau des Waffentypus.

Vorliegende Waffe war in der Scharfschützenkompanie im Einsatz, einer militärischen Einheit mit treffsicheren Soldaten (franz. tireur d’élite, Meisterschütze; engl. marksman, das Ziel treffende Person). Die Scharfschützen, meist in dunkelgrüner Uniform, waren für den Feuerschutz der Artillerie und der Infanterie zuständig, verstärkten die in loser Formation den Gegner irritierenden Jäger und verteidigten feste Plätze. Bis 1874 waren die Scharfschützen ein selbständiger, von der Infanterie getrennter Truppenkörper. Gehörten 1807 20 Thurgauer Scharfschützen zum eidg. Heer, waren es 1817 bereits 100 Mann im Auszug sowie 100 Mann in der Reserve und ab 1848 zwei Kompanien à 100 Soldaten und eine Reservekompanie. Die beiden Thurgauer Scharfschützenkompanien hatten die Nummern 5 und 26. Aufgrund der Militärorganisation von 1874 kam es zur Aufhebung der Waffengattung der Scharfschützen. Sie dienten fortan in den Schützenformationen, waren nicht mehr mit besonderen Gewehren ausgerüstet und durchliefen die gleiche Ausbildung wie die Infanteristen. Auch die Einheit der Jäger wurde aufgelöst.
1851
L. 125 cm, Lauf L. 81 cm
Stahl, Eisen, Messing, Nussbaumholz, Leder
T 7316
Albert W. Schoop, Geschichte der Thurgauer Miliz, Frauenfeld 1948, S. 172–173.

Hugo Schneider, Michael Am Rhyn, Eidgenössische Handfeuerwaffen (Bewaffnung und Ausrüstung der Schweizer Armee seit 1817, Bd. 2), Dietikon-Zürich 1979, S. 83–88.

Jürg A. Meier, Marc Höchner, Die Berner Jägertruppe entsteht, Schwerter, Säbel, Seitenwehren, Bernische Griffwaffen 1500–1850 (Schriften des Bernischen Historischen Museums, Bd. 15), 2021, S. 108–109, Kat. Nr. 21.
Schlagwörter: Militaria, Waffen