Grafik: Kleines Andachtsbild mit hl. Paulus, Andenken an die erste heilige Messe von Paul Müller in Wängi

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 Vorderseite  Rückseite
 Vorderseite

Vorderseite

Private Devotionalie der Volksfrömmigkeit aus der Sammlung im Pfarrhaus Mammern.

Vorderseite mit dem Porträt des Heiligen und seinem Attribut, dem Buch, in dem er mit strenger Miene liest.

Rückseite mit Bibel- und Gebetzitat:

“So oft ihr dieses Brot esst und den Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn. St. Paulus.” (1. Korinther 11, 26)

“Zur Erinnerung an mein erstes heiliges Messopfer / Wängi, Ostermontag / 21. April 1930 / Paul Müller”.

“O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser.”
Worte aus dem sogenannten Agnus Dei der heiligen Messe, die während der Liturgie beim Brechen des Brotes und nach dem Friedensgruss gesungen oder gesprochen werden.

Der Maler Leo Samberger studierte und lehrte an der Akademie der Bildenden Künste in München und war ein beliebter Porträtmaler für die Prominenz. Er bevorzugte die Kohlezeichnung, was seinen Darstellungen eine dunkle, gar düstere und strenge Stimmung verlieh.

Das Verlagshaus Ars Sacra, das Josef Müller 1896 in München eröffnete, spezialisierte sich auf kunstvoll ausgeführte Gebrauchsgegenstände für die private Andacht. Neben Produkten aus Holz, Gips und Keramik, die Müller vermutlich in seiner Heimat Tirol herstellen liess, lag der Schwerpunkt des Devotionalien-Sortiments auf ästhetisch hochwertig gestalteten Druckgrafiken. Zur Illustration der religiösen Blätter und Schriften kopierte der Verlag Werke alter Meister wie beispielsweise von Fra Angelico, Botticelli, Dürer, Rembrandt und Murillo sowie jener der Nazarener, für deren Reproduktion sich der Verlag in urheberrechtlichen Grauzonen bewegte und auch mal eine Geldstrafe bezahlen musste. Daneben engagierte Ars Sacra zeitgenössische Künstler und Künstlerinnen. So nahm der Verlag renommierte Maler wie Gebhard Fugel (1863–1939) und Leo Samberger (1861–1949) sowie die bekannte und beliebte Zeichnerin und Illustratorin, die Franziskanerin Maria Innocentia Hummel (1909–1946), unter Vertrag.

Die kleinformatigen Blätter mit magischer Heils- und Gnadenwirksamkeit dienten als Einlagen in Gebets- und Gesangsbücher, wurden in Koffer, Schränke und an Wände geklebt oder gar ins Grab gelegt. Als Amulett trug der gläubige Mensch die Bildchen zum Schutz vor bösen Kräften am Körper oder legte sie kranken Körperstellen auf.

Ars Sacra, Josef Müller Kunstanstalten, Verlag für religiöse Schriften, gegründet 1896 in München

Samberger, Leo (1861–1949), Maler
1930
H. 11, B. 6.7 cm
Autotypie und Druck mit Bleisatz auf Papier
T 30147
Das kleine Andachtsbild, Katalog der Ausstellung im Hamaland-Museum in Vreden 1982, im Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer 1982, in der Galerie der Stadt Bocholt 1983, Straelen 1982.

Birgit Franz, Constanze Lindner Haigis, 100 Jahre Ideen, 1896–1996, Ars Edition, München 1996, S. 59–61.
Schlagwörter: Fotografie, Druckgrafik, Kunsthandwerk, Brauchtum, Hauswirtschaft, Religion katholisch, Kirche, Anlässe, Andenken, Erinnerung