Karabiner mit Perkussionsschloss, Vorderlader einer kantonalen Kavallerie

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Aus einem französischen Steinschloss um 1840 umgeändertes Perkussionsschloss.

Runder glatter Lauf, ab Kammer ansatzweise oktogonal. Eisernes Linsenkorn, das vermutlich als Bajonettnocken diente. Messinggarnitur aus einem Band, Abzugsbügel, Seitenplatte und Kolbenkappe. Laufbefestigung mit Bandfeder. Eiserner Ladestock mit langem konischem Kopf mit Loch und gemuldetem Abschluss sowie Gewinde am anderen Ende. Zwei Bügel für den ledernen Tragriemen. Dieser nicht original und mit Schnalle aus Messing. Halbe Schäftung bis zum Band reichend.

Schläge: Auf Schlossplatte Herstellerangabe «M’re R.’ le de Tulle» (Manufacture Royale) (Königliche Waffenfabrik Tulle, FRA). Auf Kolben zwei Mal «Tulle», «157», «383» und «S» in Kreis. Auf Kolbenkappe «H.3.u» und «T»? in Raute. Auf Ladestock «68».
Für die Bewaffnung seiner Truppen war jeder Schweizer Kanton eigenständig verantwortlich. Ab 1826 bezog ein Thurgauer Soldat seine Waffe gegen Bezahlung vom Zeughaus in Frauenfeld, das 1820–1822 eingerichtet wurde. Lieferanten der Gewehre waren hauptsächlich Manufakturen in Belgien und Frankreich wie das 1690 in Tulle gegründete Waffenunternehmen. In der Regel erwarb die zuständige kantonale Kommission das französische Modell von 1777, das 1801–1802 optimiert wurde und dem eidg. Reglement von 1817 entsprach.
Diese Gewehre mit Steinschlosszündung erfuhren im Verlauf des 19. Jhs. mehrmals eine Optimierung, insbesondere ihre Transformation vom Vorder- zum Hinterlader.

Der Karabiner, ein Gewehr mit kurzem Lauf, war vorrangig in der Kavallerie im Einsatz. Der Begriff «Karabiner» stammt aus dem 17. Jh. und bezieht sich auf das französische Wort «Carabine», womit eine Reiterflinte bezeichnet wurde. Da er in der Regel mit einem kürzeren Lauf (um 100 cm) als die Infanteriegewehre der Vergangenheit (etwa 140 cm) ausgestattet war, eignete er sich für die Handhabe auf dem Pferd besonders gut. Karabiner konnten als Vorderlader mit einer Steinschloss- oder Perkussionszündung und als Hinterlader für Metallpatronen konstruiert worden sein.
Tulle, französische Waffenfabrik, ab 1777 königliche Manufaktur, seit 1971 französischer Rüstungskonzern Giat
um 1840
L. 95.5 cm, Lauf L. 60 cm
Stahl, Eisen, Messing, Nussbaumholz
Wg 452
Albert W. Schoop, Geschichte der Thurgauer Miliz, Frauenfeld 1948.
Schlagwörter: Militaria, Industrie, Waffen