Steinschlossgewehr der Thurgauer Truppen, Vorderlader mit Stichbajonett, aus der Sammlung des Thurgauer Kantonalschützenverbands

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Runder Lauf. Bajonettnocken diente als Visier. Schlosshahn mit kleinem geschweiftem Hahnsporn und Feuerstein. Gedrungen kugelige Hahnschraube. Eisengarnitur mit drei Bändern, rundem Abzugsbügel, blattförmigem Seitenblech und angeschraubter Kolbenkappe. Bügelblatt und Kolbenkappe mit blattförmigen Enden. Laufbefestigung mit Blattfedern. Zwei Bügel für Tragriemen. Lederner, vermutlich nicht originaler Tragriemen. Eisenladestock mit kegelstumpfförmigem Kopf. Vollschaft mit langem schmalem Hals, eingezogener kleiner Kolben, Kolbennase.
Tüllenbajonett mit dreikantiger Klinge.
Vorliegendes Gewehr ohne gepunzte Angaben zum Hersteller und Besitzer gehörte einem Wehrmann, der die Waffe wie üblich aus eigenen Mitteln erwarb. Vermutlich diente er in einem der acht Thurgauer Militärbezirke. Die Männer hatten ab ihrem 16. bis zum 60. Lebensjahr Wehrdienst zu leisten, jene unter der Fahne des St. Galler Fürstbischofs bereits als 14-Jährige. 1774 zählten die acht Quartiere 12 354 wehrfähige Männer, 7147 Gewehre, 2692 Bajonette und 2889 Patronentaschen. 1799 kam es zur Zusammenlegung der Quartiere. Die Thurgauer Soldaten leisteten ihren Dienst von nun an in den vier kantonalen Militärbezirken Steckborn, Frauenfeld, Arbon und Bischofszell.

Die Waffe war ein Geschenk ans Museum des 1835 gegründeten Thurgauischen Schützenvereins. Zum Gründungskomitee gehörte auch Prinz Louis Napoléon Bonaparte. Der Ehrenbürger des Kantons Thurgau, Bewohner von Schloss Arenenberg und spätere französische Kaiser Napoléon III., wirkte von 1838–1839 als Vorstandspräsident.
2005 erfolgte die Umbenennung vom Schützenverein zum Kantonalschützenverband. Lange Zeit trugen Vereinsmitglieder Andenken und Ehrengaben von Schiessanlässen zusammen und legten ein umfangreiches Archiv an, zu dem Schenkungen und Nachlässe von regionalen Thurgauer Schützenvereinen kamen.

2016 ging der vielfältige Bestand von ca. 500 Objekten (u.a. Scheiben, Fahnen, Waffen, Gefässe, Medaillen) in den Museumsbesitz über. Einzelne Sammlungsstücke werden seit Jahren in der Schützenstube im ehemaligen Gasthaus Adler in Ermatingen ausgestellt.
18. Jh.
L. 145 cm, Lauf L. 106.5 cm; Bajonettlänge 45 cm
Stahl, Eisen, Nussbaumholz, Leder, Feuerstein
T 21863
Albert W. Schoop, Geschichte der Thurgauer Miliz, Frauenfeld 1948.

Hans Senn, Militärwesen, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 10.11.2009, https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/024620/2009-11-10/, aufgerufen am 22.07.2025.
Schlagwörter: Hauswirtschaft, Persönliche Accessoires, Jagd, Waffen, Vereinswesen

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