Repetiergewehr der eidgenössischen Infanterie, Hinterlader mit Zylinderverschluss nach dem System Vetterli, eidgenössisches Modell 1881, mit nummergleichem Jatagan (Säbelbajonett) Modell 1887

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Brünierter runder Lauf mit vier Zügen, ab Höhe Visier oktogonal. Drehverschluss mit Zylinder. Röhrenmagazin für zwölf Patronen im Vorderschaft und eine Patrone im Zubringer. Quadrantvisier mit Schutzwangen, ausziehbarem Blatt und Visierteilung auf der linken Seite der linken Wange. Sattelkorn. Visierstellung bis 1600 m. Kastenschliesse entfernt. Angeschraubtes gestuftes Oberband mit rechter Bajonetthaft und Führung für den Putzstock unten. Mittelband mit Federhalterung und breitem Riemenbügel unten.
Zweitteiliger Nussbaumholzschaft mit Kolbennase. Kolben mit geschweifter angeschraubter Kolbenkappe mit kuppelförmigen Ecken. Runder zweiteiliger Abzugsbügel mit Fingerhaken, angeschraubtes Bügelblatt. Breiter hinterer Riemenbügel an angeschraubtem Montageblatt. Eiserner Putzstock.

Schläge: Punze des Herstellers auf Verschlusskastendeckel in Form von Schweizerkreuz über «Waffenfabrik Bern 227692 M. 81 [Modell 1881]». Unterseite des Verschlusskastens mit «692» (abgekürzte Waffennummer) und Schweizerkreuz über «C» in Oval (Kontrollpunze von 1869). Zwei Mal auf Zylinderhülse ein Oval je mit Schweizerkreuz über «N» (Kontrollpunze ab 1863). Dieselbe Punze auf Kugel des Kammerstängels und zusätzlich «692». Auf oktogonalem Lauf Waffennummer «227692», drei Ovale je mit Schweizerkreuz über «R» (Kontrollpunze ab 1867 von Inspektor Georg Raschein) bzw. «B» (Kontrollpunze ab 1867, ev. von Inspektor Hermann Bader, Büchsenmacher in Tägerwilen) bzw. «V» (Kontrollpunze ab 1869, ev. von Inspektor Oberst Vogelsang, im Einsatz 1879–1912).
Visierboden und -blattunterseite mit je «692», auf Schutzwange und Oberseite des Blattes Schweizerkreuz über «M» in Oval (Kontrollpunze ab 1867 von Inspektor Hans von Mechel). Visierblattarm mit Schweizerkreuz in Rund (Annahmestempel für kleine Bestandteile).
Auf Schwanzschraube «S» unter Schweizerkreuz in Oval (Kontrollpunze ab 1869 von Inspektor Rudolf Schmidt, im Einsatz 1864–1874), Abzugsbügel mit «M» unter Schweizerkreuz in Oval und «R»? unter Schweizerkreuz in Oval, auf Kolbenkappe «692» und Oval mit Schweizerkreuz über «M», Montageband des hinteren Riemenbügels mit Schweizerkreuz in Rund. Oberband mit Schweizerkreuz über «S» in Oval, Mittelband mit «M» unter Schweizerkreuz in Oval. Putzstock mit «C» unter Schweizerkreuz in Oval.
Auf Schaft «TH» (Zeughaus Frauenfeld, Besitzer), zwei Mal «B» je in Schild unter Schweizerkreuz (Annahmestempel für Holzteile) und in Oval «II» über «24».

Kaliber: 10.4 mm

Säbelbajonett in schwarzer Lederscheide. Auf Klinge Hersteller «S. J. G. Neuhausen», Waffennummer «227692», «57» und in Oval «C» unter Schweizerkreuz, letztere Punze ebenso auf Ortskugel des Scheideschuhs.
Der Thurgauer Konstrukteur und nachmalige Direktor der SIG (Schweizerische Industrie-Gesellschaft) in Neuhausen, Johann Friedrich Vetterli (1822–1882), hat die modernste Waffe seiner Zeit entwickelt, die seither seinen Namen trägt. Das neue Verschlusssystem erlaubte eine Steigerung von bis zu 21 Schuss in der Minute sowie den Einsatz von Metallpatronen.
Zur Familie der Vetterli-Repetierer gehörten 15 unterschiedliche Modelle von Infanteriegewehren, Stutzern und Karabinern für die Kavallerie. Letztere wurde auch vom Zoll und von der Polizei verwendet. Die Gewehre wurden laufend optimiert, weshalb der Bundesrat 1878 und 1881 die geprüften Ertüchtigungen zu offiziellen Erlassen erklärte. Vorliegendes Gewehr gehört zu den letzten produzierten Waffen von diesem Typ, es wurde 1889 der Armee abgeliefert.
Ab 1901 begann die Aussortierung dieser Armeewaffe. Den Dienst quittierende Soldaten konnten das Stück für CHF 5.– erwerben. Ebenso gelangten über 30 000 dieser Gewehre zu Beginn des 20. Jhs. nach Finnland, wo sie in den Unabhängigkeits- und Bürgerkriegen zum Einsatz kamen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die letzten Vetterli-Gewehre ausgemustert, wobei eine stattliche Anzahl davon lange Zeit als Kriegsreserve in den Zeughäusern lagerte.

Die Beiwaffe zu diesem Gewehr ist ein sogenannter Jatagan. Das Wort «Jatagan» (auch Yatagan) ist türkischen Ursprungs und bezeichnet eigentlich einen osmanischen Säbel, der nach der gleichnamigen Stadt im Südwesten der Türkei benannt ist. Mitte des 19. Jhs. wurde der Jatagan Bestandteil der militärischen Bewaffnung. In Frankreich wurde 1840 für die Muskete M 1840 eine Bajonettklinge verwendet, deren Vorbild der Jatagan war. Auch im Vereinigten Königreich und in der Schweiz kamen solche Säbelbajonette zum Einsatz.
Eidgenössische Waffenfabrik Bern (W+F) (*1871), heutige RUAG

SIG (Schweizerische Industrie-Gesellschaft) (*1853), Hersteller von Waffen, Automobilen, Waggons in Neuhausen (SH)
1889
L. 132, Kauf 84.3 cm; Bajonett Klingenlänge 47.8 cm
Stahl, brüniert; Eisen; Nussbaumholz; Leder
T 40361
Erhard Clavadetscher, Zwei Thurgauer Waffenpioniere, Friedrich Vetterli und Friedrich von Martini, in: Thurgauer Jahrbuch 38. Jg., 1963, S. 7–18.

Hugo Schneider, Michael am Rhyn, Oskar Krebs, Christian Reinhart, Handfeuerwaffen System Vetterli (Bewaffnung und Ausrüstung der Schweizer Armee seit 1817, Bd. 3), Dietikon-Zürich 1970, S. 40–41.

Hugo Schneider, Michael am Rhyn, Eidgenössische Handfeuerwaffen (Bewaffnung und Ausrüstung der Schweizer Armee seit 1817, Bd. 2), Dietikon-Zürich 1979, S. 169–174.

Ernst Grenacher, Schweizer Militärgewehre Hinterladung 1860–1990, 2015, S. 120, 125, 196–197.
Schlagwörter: Militaria, Waffen, Industrie

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